Biennale für aktuelle Fotografie

Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg

Deutsch-Amerikanisches Institut Heidelberg

Info Termine

Bereits seit ihrer Einführung etablierte sich die Fotografie als bilderzeugendes Instrument für unterschiedliche Disziplinen: Als vermeintlich objektives Aufzeichnungsmedium, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu illustrieren und zu belegen oder als darstellendes Medium innerhalb der Kunst.

Nicht selten jedoch haben Bilder aus einem wissenschaftlichen Kontext eine künstlerische Ästhetik. Künstlerische Fotografie wiederum arbeitet oft an der Schwelle zu den Wissenschaften. Denn Wissen und Erkenntnis wird nicht nur aus den Natur- und Geisteswissenschaften, sondern auch aus Kunst und Fotografie geschöpft. Wie ist demnach das Verhältnis zwischen Fotografie und Wissenschaft?

Über diese Frage diskutieren renommierte Fotokünstler*innen und Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen in einer achtteiligen Dialogreihe. Die Arbeiten der Fotograf*innen bilden dabei nicht nur den Ausgangspunkt für eine wissenschaftshistorische sowie bildwissenschaftliche und fototheoretische Befragung des Mediums, sondern spiegeln auch die Aktualität des Themas wider: Wie lässt sich beispielsweise die Frage nach Authentizität und Inszenierung, Objektivität und Subjektivität fotografischer Bilder beantworten? Eine Frage, die die Fotografie als Medium in Kunst und Wissenschaft gleichermaßen begleitet. Denn subjektive Faktoren wie Auswahl und Perspektive sowie unterschiedliche Interessen und Verbreitungsformen führen oftmals zu Verzerrung und Verfremdung und haben daher bedeutenden Einfluss auf die Wirkung und Bewertung fotografischer Bilder.

Die Fotografie als Gebrauchsmedium und künstlerische Ausdrucksform zugleich birgt das außerordentliche Potential, die Grenzen der Disziplinen verschwimmen zu lassen. Ziel der Dialogreihe ist es daher, einen (Denk-)Raum für einen Austausch zwischen Fotografie und Wissenschaft zu schaffen, aber auch Reibungsfläche zuzulassen, um die vielfältigen Überschneidungen der Bereiche genauer unter die Lupe zu nehmen.

  • 16/01, 18 Uhr

    Sound and Vision

    Poptheorie

    Anton Corbijn / Robin Curtis

    Anton Corbijn, Nick Cave, 1996

    Popkultur und Kunst sind kaum als Gegensätze zu verstehen, sie überschneiden und inspirieren sich vielmehr auf vielfältige Weise. Mit seinem fotografischen und filmischen Werk, etwa seinen Porträts weltbekannter Popikonen, legt der niederländische Künstler Anton Corbijn wie kaum ein Zweiter von dieser Schnittstelle Zeugnis ab. Im Gespräch mit Prof. Dr. Robin Curtis, Direktorin des Zentrums für Populäre Kultur und Musik in Freiburg, soll die Wechselwirkung dieser beiden Bereiche im Fokus stehen.

    Eintritt frei
    Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt

    Universität Heidelberg, Neue Aula
    Universitätsplatz 1, 69117 Heidelberg
  • 04/02, 18 Uhr

    Seeing Photography

    Bildwissenschaft

    Timm Rautert / Horst Bredenkamp

    Timm Rautert, Bildanalytische Fotografie, 1974

    Mit seinem beeindruckenden Werkzyklus "Bildanalytische Photographie" aus den 1960er/70er Jahren führt Timm Rautert die Bedingungen fotografischen Arbeitens vor Augen: den Prozess von der Aufnahme zum Entstehen des Bildes unter dem Vergrößerungsgerät im Labor bis hin zu Manipulationsmöglichkeiten. Damit schafft er eine Reflexion über Fotografie als technisches Bildmedium. Der Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler Prof. Dr. Horst Bredekamp spricht mit Rautert über eben diese Bedingungen und Voraussetzungen der Fotografie.

    Eintritt frei
    Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt

    Institut für Psychologie, Hörsaal II,
    Hauptstraße 47-51, 69117 Heidelberg
  • 05/03, 18 Uhr

    Astronomy and Photography: How Black Drops lead to Innovations

    Astronomie

    Simon Starling / Joachim Wambsganß

    Simon Starling, Black Drop, Filmstill, 2012

    Der Venustransit, der in 250 Jahren nur viermal stattfindet, wurde 1874 erstmals mit einem sogenannten „fotografischen Revolver“, der Aufnahmen von bewegten Objekten erlaubt, festgehalten. 2012 dokumentierte Starling in Filmaufnahmen dieses Naturschauspiel, das er mit historischen Aufnahmen in seiner Arbeit „Black Drop“ zusammenbrachte. Im Gespräch mit Prof. Dr. Joachim Wambsganß, Direktor des Zentrums für Astronomie der Universität Heidelberg, wird es unter anderem um die Frage nach dem Verhältnis zwischen historischer und zeitgenössischer künstlerischer Fotografie und Wissensproduktion gehen.

    Eintritt frei
    Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt

    Institut für Psychologie, Hörsaal II,
    Hauptstraße 47-51, 69117 Heidelberg
  • 31/03, 18 Uhr

    Cruel Exposures

    Recht

    Broomberg & Chanarin / Grischka Petri

    Broomberg & Chanarin, War Primer 2, 2011

    Bereits seit den Anfängen ist die Fotografie wichtiger Bestandteil der Kriegsdarstellung und-Propaganda. Eine Auseinandersetzung mit Gewalt und Terror im Zweiten Weltkrieg in Bild und Text stellt Bertolt Brechts „Kriegsfibel“ dar, die das Londoner Künstlerduo Broomberg & Chanarin dazu anregte, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. In der Arbeit „Warprimer 2“ eignen sich die beiden nicht nur Brechts Werk an, sondern auch dessen Methode der Montage und Neukontextualisierung des Bildmaterials, indem sie seine Motive durch aktuelle Fotografien globaler Konflikte und Kriege ersetzen. PD Dr. Grischka Petri spricht mit den Künstlern unter anderem über die Komplexität der (zeitgenössischen) Verwendung und Verbreitung von Konfliktbildern.

    Eintritt frei
    Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt

    Institut für Psychologie, Hörsaal II,
    Hauptstraße 47-51, 69117 Heidelberg
  • 23/01, 18 Uhr

    Spuren der Macht

    Medienwissenschaften

    Herlinde Koelbl / Bernhard Pörksen

    Herlinde Koelbl, Merkel, Spuren der Macht, 1991/2006

    Mit ihrer Langzeitdokumentation deutscher Politiker*innen wie Angela Merkel, Joschka Fischer und Gerhard Schröder wurde die Fotografin Herlinde Koelbl bekannt. Unter ihrem analytischen Blick entstanden über mehrere Jahre hinweg eindringliche dokumentarische Porträts. Gemeinsam mit dem Tübinger Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pörksen wird es um die Fragen gehen: Wie verändert sich das Äußere von Personen in einem mächtigen Amt? Auf welche Weise dient das Medium Fotografie hier als Instrument zur Inszenierung der eigenen Person?

    Eintritt frei
    Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt

    Institut für Psychologie, Hörsaal II,
    Hauptstraße 47-51, 69117 Heidelberg
  • 20/02, 18 Uhr

    Das Leuchten des Börsencrashs

    Wirtschaft

    Benjamin Samuel / Achim Wambach

    Benjamin Samuel, DEUTSCHER AKTIENINDEX 30+1, 2010

    Lediglich ein Titel wie „Deutscher Aktienindex 30+1“ verweist bei Benjamin Samuels abstrakter Bildserie darauf, dass sich der Künstler hier dem Börsencrash von 2008 auseinandersetzt. Anhand computerbasierter Algorithmen überträgt Samuel dieses Ereignis in ein Bild. Gemeinsam mit Prof. Dr. Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaft (ZEW) in Mannheim, wird Samuel über die Abbildbarkeit von Börsenphänomenen in ein flimmerndes Farbenspiel diskutieren.

    Eintritt frei
    Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt

    Institut für Psychologie, Hörsaal II,
    Hauptstraße 47-51, 69117 Heidelberg
  • 19/03, 18 Uhr

    Die Kamera als stiller Begleiter

    Medizin

    Andrea Diefenbach / Hans Jäger

    Andrea Diefenbach, Natascha, Aids in Odessa, 2006

    2006 reiste die Fotografin Andrea Diefenbach aus Wiesbaden in die ukrainische Hafenstadt Odessa und fotografierte Menschen, die das HIV-Virus in sich tragen. Nach Russland verzeichnete die Ukraine zu dieser Zeit in Europa und Zentralasien eine der höchsten Raten an HIV-Neuinfektionen. Ihre Aufnahmen zeigen auf sensible, aber eindringliche Weise die jeweiligen Lebensumstände zwischen Mut, Zuversicht und Angst. Im Gespräch mit Dr. Hans Jäger, der in den 1980er Jahren in New York die ersten HIV-Patienten behandelte, wird es um die Wirkkraft fotografischer Bilder im Bezug zur medizingeschichtlichen und gesellschaftlichen Rolle der Krankheit gehen.

    Eintritt frei
    Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt

    Institut für Psychologie, Hörsaal II,
    Hauptstraße 47-51, 69117 Heidelberg
  • 02/04, 18 Uhr

    Image Capital

    Computational Science

    Armin Linke / Estelle Blaschke / Sabine Süsstrunk

    Tagtäglich werden weltweit Milliarden digitaler Fotografien produziert und archiviert. Diese Bilder, bestehend aus Metadaten und Pixeln, gelten als Rohstoff der Zukunft. Sie können ausgewertet, gefiltert, programmiert und kontrolliert werden. Sie dienen sogar der Entwicklung künstlicher Intelligenz. Armin Linke und Estelle Blaschke machen die Auseinandersetzung mit dieser Flut an Bilddaten zum Gegenstand ihres neuen Projekts „Image Capital“. Gemeinsam mit Sabine Süsstrunk, die sich unter anderem auf computergestützte Fotografie spezialisiert hat, wird es – jenseits der Kunst – um die Rolle der Fotografie innerhalb sozialer, ökonomischer und kultureller Praktiken gehen.

    Eintritt frei
    Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt

    Institut für Psychologie, Hörsaal II,
    Hauptstraße 47-51, 69117 Heidelberg